Nach einer recht abenteuerlichen Busfahrt ueber Schotterpisten und Bergpaesse oder beides, sind wir in Potosi angekommen. Bei unserer Ankunft kam gerade ein dickes Gewitter vom Himmel…inklusive Hagel! Wir haben uns dann mit einem netten schwedischen Paerchen ein Taxi zum Hostel geteilt. Wir wissen bis heute nicht ob es wirklich ein Taxifahrer war oder einfach Jemand der sich ein bisschen Geld dazuverdienen wollte. Aber bei den Bergen (schlimmer als im Bergischen!) hatte er sich das Geld redlich verdient! Zusammen mit einem englischen Paerchen haben wir dann noch typisch bolivianisch zu Abend gegessen – Huehnchen mit Mais und Kartoffeln..muy rico! – und noch einen netten Abend verbracht. Zum Nachtisch gab es uebrigens Apfelstrudel, den wir in einer kleinen Baeckerei entdeckt haben.

Am naechsten Morgen haben wir dann mit einer Tour die Bergminen besichtigt. Dazu wurden wir erst komplett mit Hosen, Jacken, Gummistiefel, Helmen und Lampen ausgestattet. Dann ging es in eine Strasse, wo es nur Laeden fuer die Minenarbeiter gibt. Hier gibt es alles was das Minenarbeiterherz begehrt: Aexte, Lampen, 96 prozentigen Schnaps (zum Putzen und Trinken geeignet!), Bier, Zigaretten, Cocablaetter und natuerlich Dynamit. Ein Sprengsatz mit allen Komponenten kostet umgerechnet 2 Euro. Unser Guide hat uns dann aufgetragen, Bier als Geschenk fuer die Mienenarbeiter zu kaufen. Es war Samstag und Bier ist gut um den Hangover der letzten Nacht zu bekaempfen. Wir haben dann auch einen Sprengsatz gekauft.


How to prepare Dynamite
Dann ging es weiter durch die Tour und er hat uns viele interessante Dinge erzaehlt. War aber auch z.T. sehr erschreckend und traurig. Die Minen sind die gefaehrlichsten Minen der Welt und im Monat sterben ungefaehr zwei Minenarbeiter. Den Donnerstag vorher sind just drei Arbeiter umgekommen. Und die einzige Technik dort sind Lampen, Pressluft sowie die Bohrer, um Loecher fuer das Dynamit zu machen. Giftige Gase erkennen sie nur dadurch, wenn sie ihr Feuerzeug anmachen und dieses blau wird. Ueberall in der Mine haengt Arsen an der Decke. Es gibt aber kein Wasser um sich die Haende zu reinigen. Wenn man es beruehrt hat und sich neue Cocablaetter in den Mund tun moechten, benuzten die Maenner Urin um die Haende zu reinigen. Im Berg arbeiten mehrere Kooperativen (wie beim Wein Papa đ ). Es kann vorkommen, dass zwei Gruppen der gleichen Silberader folgen und aufeinandertreffen. Dann bekaempfen sie sich und werfen auch schon mal Dynamit nacheinander. Die Arbeiter sind auch ziemlich aberglaeubisch und so kann es auch schon vorkommen, dass jemand einen anderen opfert, um mehr Glueck zu haben, und ihn in ein Loch schubst oder neben ihm Dynamit positioniert. In der Mine ist aber alles immer ein Unfall. Puuh, und was verdient so ein Minenarbeiter? Unterschiedlich, aber meistens so 4 Euro am Tag. Welcome to Bolivia!
Unsere Tour fuehrte uns dann auch in die Mine und wir waren sehr froh, dass es ein Samstag war und dann dort nicht gearbeitet wurde. Ich glaub sonst waere ich nach 5 Min. heulend rausgerannt bei dem ganzen Dynamit. Unser Guide, der auch ein Arbeiter aus der Mine ist, hat dann den gekauften Sprengsatz praepariert. Wir mussten uns dann hintereinander in einen Gang hocken und unsere Kopflampen ausschalten. Vor unseren Augen hat er dann den Sprengsatz gezuendet. Wuaaah! Und BUMM! Es war viel lauter als ich gedacht haette und man hat die Detonation richtig gespuert. Genug Adrenalin fuer diesen Tag! Danach gings zum sanften Teil ueber: Trinken! Denn unser Guide hat uns noch in die „Miner’s Bar“ eingeladen. Besonders die blonde und grosse Englaenderin Sarah in unserer Gruppe wurde von den Arbeitern dort sehr beaeugt und wir haben uns nicht so ganz wohl gefuehlt. Zum Glueck hatten wir noch die weiten Minenjacken an und unser Guide hat sich auch gut um uns gekuemmert.
Wir waren anscheinend so eine tolle Truppe, dass wir am Abend nochmals von unserem Guide abgeholt wuren und es ging dann wieder in eine Bar! Wenn ich Minenarbeiter waere wuerde ich genauso viel trinken! Am Ende des Abends mussten wir unseren Guide nach Hause bringen und sind dann auch muede ins Bett gefallen. Wow, welch ein Tag. Ich war sehr, sehr beeindruckt!